Widerständige Haare

RINGVORLESUNG

Widerständige Haare zwischen Ungehorsam und Selbstermächtigung. Transdisziplinäre Perspektiven auf Kinder- und Jugendmedien

WS 2026/2027

Mittwochs 16:15 – 17:45 Uhr MEZ/CET (UTC + 2, from October 25, 2026 UTC +1)

Ort: Technische Universität Darmstadt, Raum: S101/A4, Karolinenplatz 5, 64289 Darmstadt

Hybrid über Zoom: LINK

Organisation: Alexandra Karentzos (Mode und Ästhetik, Technische Universität Darmstadt) und Iris Schäfer (Kinder- und Jugendbuchforschung, Goethe-Universität Frankfurt)

„Wenn meine Haare sprechen könnten …“ (Kodua/Gebel 2024), was würden sie erzählen?

Vom staubfreien Schuh bis zum wohl frisierten Haupt wird das ,geputzte‘ Kind zum Brennpunkt der diskursiven Verhandlung zeitgenössischer Hygieneerziehungs- und Tugendideale. Das widerständige (Kinder-)Haar dagegen zeugt von einem Spannungsverhältnis zwischen lobenswerter Reinlichkeit und tadelnswerter Eitelkeit, das kulturhistorisch und regional codiert ist. Widerständige Haare können in der zeitgenössischen Kunst und Literatur als Sinnbild der Selbstermächtigung, aber auch der Ausgrenzung inszeniert werden. Nach wie vor zeugen diese Darstellungen von gesellschaftlichen Tabus, insbesondere wenn die (weibliche) Körperbehaarung thematisiert wird. Wenn das wildwuchernde Haar als Attribut von Renitenz und Selbstermächtigung inszeniert wird, werden die Rezipierenden eingeladen, Schönheit neu zu denken: als etwas, das in der Vielfalt, der Textur und dem Widerstand selbst liegt. In dieser Ringvorlesung werden nationale und internationale Expert:innen aus kultur- und literaturwissenschaftlicher Perspektive Schlaglichter auf die facettenreiche Ästhetik und Semantik erzählter und künstlerisch ins Bild gesetzter (Kinder- und Jugend-)Haare werfen.

Vorausgesetzt wird die Freude an der kritischen und reflektierten Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowie die Bereitschaft, sich aktiv an den Diskussionen zu beteiligen.

Die Vortragsreihe findet im Wintersemester 2026/27 statt und richtet sich an Studierende aller Fachrichtungen der TU Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Programm der Ringvorlesung

14.10.2026

Alexandra Karentzos (Technische Universität Darmstadt) und Iris Schäfer (Goethe-Universität Frankfurt): Einführung

Vortrag in deutscher Sprache

21.10.2026

Karin Lesnik-Oberstein (University of Reading): Reading Body Hair in Children’s Literature

PER ZOOM

Vortrag in englischer Sprache

Abstract:

Following on from the arguments of English literary and gender theorist Jacqueline Rose in her foundational book The Case of Peter Pan or the Impossibility of Children’s Fiction (1984/ 1995) and my own edited volume The Last Taboo: Women and Body Hair (2006/2011), approaches to and issues around both body hair and gender and childhood and children’s literature will be discussed in terms of a critique of ‘representation’ as the often taken-for-granted underpinning of claims in these fields. Selected children’s literature around body hair, such as Babette Cole’s Hair in Funny Places (2001), Kyo Maclear and Gracey Zhang’s The Big Bath House (2021), Shelley Anand and Nabi Ali’s Laxmi’s Mooch (2021) and/ or Georgina Gooley’s A Kids’ Book About Body Hair (2025) will be discussed to consider some of the implications and consequences of reading differently in this way.

CV:

Karín Lesnik-Oberstein ist Professorin für Critical Theory und Direktorin des Graduate Centre for International Research in Childhood: Literature, Culture, Media (CIRCL) im Department of English Literature an der University of Reading in Reading, Großbritannien. Karíns Interessen liegen in der inter- und transdisziplinären kritischen Theorie von Identitäten, wie sich in ihren Monografien Children’s Literature: Criticism and the Fictional Child (1994), On Having an Own Child: Reproductive Technologies and the Cultural Construction of Childhood (2008) und Reading Developmental Disorders and Mental Health Issues in Literature Differently (2026) sowie in ihren zahlreichen herausgegebenen Bänden widerspiegelt, darunter The Last Taboo: Women and Body Hair (2006) und Rethinking Disability Practice and Theory: Challenging Essentialism (2015), ebenso wie in zahlreichen Artikeln und Beiträgen aus verschiedenen Disziplinen, unter anderem zu Mathematik, Philosophie, Ökokritik, Medizin und Recht.

28.10.2026

Lesung Franziska Setare Koohestani (München): Hairy Queen. Warum Körperbehaarung politisch ist

Vortrag in deutscher Sprache

Abstract:

In dem erzählenden Sachbuch Hairy Queen beleuchtet Franziska Setare Koohestani die politische Dimension von Haarwuchs, Enthaarungszwang und Körperidealen aus persönlicher Perspektive – von rassistischen Zuschreibungen, über kapitalistische Schönheitsarbeit bis hin zu binären Geschlechternormen. Denn das Einsetzen der Körperbehaarung in der Pubertät markiert zwar universell den Übergang vom Kind zum Erwachsenen. Doch der gesellschaftliche Umgang damit ist stark gegendert. Während männliche Körperbehaarung als Symbol von Reife gilt, unterliegt der weibliche Körper im Zuge des Erwachsenwerdens einem Disziplinierungsdruck. Am Beispiel des Kapitels „Erwachsen werden und wachsen lassen“ beleuchtet die Lesung die Bedeutung der Behaarung zwischen Geschlechterkonstruktion, Selbstermächtigung und „haariger“ Widerständigkeit. Im Anschluss gibt es Raum für Fragen und eine gemeinsame Diskussion.

CV:

Franziska Setare Koohestani (*1996 in Köln) ist freie Autorin und Journalistin. Sie schreibt unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, ZEIT Online und regelmäßig für SZ Jetzt, das junge Online-Magazin der Süddeutschen Zeitung. In ihrer journalistischen Arbeit beschäftigt sie sich mit Schönheitsnormen, Pop- und Subkultur, Körper- und Gesellschaftspolitik sowie mit Diskriminierung, Antirassismus und Feminismus. Im Frühjahr 2024 erschien ihr erstes Buch Hairy Queen – Warum Körperbehaarung politisch ist im Ullstein Verlag. Koohestani studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie an der LMU München. Während ihres Studiums absolvierte sie Praktika unter anderem bei der Süddeutschen Zeitung, ProSieben und dem Bayerischen Rundfunk und war Mitglied der Redaktionen von SZ Jetzt und Workin’ Germany (BR). Heute lebt und arbeitet sie wieder in Köln und ist regelmäßig in Berlin, München und Paris tätig.

04.11.2026

Beate Zekorn-von Bebenburg (Struwwelpetermuseum Frankfurt): „Kämmen ließ er nicht sein Haar“: Frisuren im Kontext von Rebellion und Konformität in Heinrich Hoffmanns Der Struwwelpeter

Vortrag in deutscher Sprache

Abstract:

Der Frankfurter Arzt Dr. Heinrich Hoffmann begründete 1844 mit dem für den dreijährigen Sohn geschaffenen Der Struwwelpeter das moderne, erzählende Bilderbuch. Der 1845 erschienene Welterfolg inspirierte zu Nachahmungen, Karikaturen, Satiren, Kitsch und Kunst. Die junge Leserschaft selbst erwählte um 1846 das Struwwelpeter-Blatt zur Schlüsselgeschichte des Buches: Hoffmann berichtete, wie die Kinder nicht das Buch mit dem umständlichen Titel Lustige Geschichten und drollige Bilder, sondern „das Struwwelpeter-Buch“ forderten. Der Vortrag analysiert das überzeitliche Narrativ der „wilden“ Haare, die den Struwwelpeter als Antihelden für immer neue Kindergenerationen spannend machen. Ausgehend von Hoffmanns Struwwelpeter-Figur und ihren verschiedenen Frisuren im historischen Kontext werde ich die Ambivalenz der Haarsymbolik zwischen Rebellion und Konformität anhand von ausgewählten Beispielen aus der Reihe der Struwwelpeter-Imitationen, den sogenannten Struwwelpetriaden, analysieren.

CV:

Beate Zekorn-von Bebenburg M.A. studierte Germanistik (mit Schwerpunkt Kinderbuchforschung), Ethnologie und Kunstgeschichte in Freiburg und Frankfurt a.M. Seit 1991 leitet sie das Heinrich-Hoffmann-Museum, das seit 2019 als Struwwelpeter Museum in Frankfurts Neuer Altstadt angesiedelt ist. Sie forscht, kuratiert Ausstellungen und publiziert zu Heinrich Hoffmann und seinem Werk.

11.11.2026

Vanessa Joosen (Universiteit Antwerp): Hair, Hair, Everywhere! The Adult Body in Children‘s Literature

PER ZOOM

Vortrag in englischer Sprache

Abstract:

This talk starts from the somewhat surprising observation that nose hair pops up in many children’s books, both in the text and in the visuals. The way several stories draw attention to body hair opens up larger questions about how the adult body and adulthood more broadly are constructed in children’s literature. Vanessa Joosen approaches the topic of body hair from various angles, drawing on, amongst others, carnival theory and age studies, to reflect on what the hairy adult can tells us about the ideologies of adulthood that inform children’s books.

CV:

Vanessa Joosen is full professor of English literature and children’s literature at the University of Antwerp. Joosen is the author of, amongst others, Critical and Creative Perspectives on Fairy Tales (2011), Adulthood in Children’s Literature (2018) and co-author of Age in David Almond’s Oeuvre (2023). She is currently the vice-president of the International Research Society for Children’s Literature. 

18.11.2026

Ben Dammers (Universität Köln): The Beard in the Book: Forms and Functions of Facial Hair in Graphic and Multimodal Children’s Literature

Vortrag in englischer Sprache

Abstract:

The literary symbolism of the beard ranges from sexuality through power, masculinity, wisdom and social distinction to mourning, neglect and alterity (cf. Däumer 2021). The same symbolism operates in children's literature: the beard signals power and wisdom in the recurrent depiction of kings and wizards as bearded figures and encodes sexuality e.g. in Perrault's La barbe bleue or the Grimms' Schneeweißchen und Rosenrot.

Against this background, the lecture attends specifically to pictorial representations of the beard. Following Christian A. Bachmann (2014), the „hypertrophic“ beard emerges as a recurrent motif: a transgressive element of body and image that takes on a life of its own, in the literal as much as the symbolic sense (e.g. Hergé 1947; Collins 2014; Verplancke 2021).

Set against it is the beardless face. Long a marker of weakness along the axes of age and gender (Imorde 2014: 25), beardlessness prevailed as shaving took hold in the early twentieth century. The clean-shaven face becomes the masculine norm at precisely the moment the first comic superheroes appear, all of them beardless, and in Superman and his peers it comes to signal a distinctly youthful omnipotence (Bachmann 2014: 211, 213).

As a secondary sexual characteristic, the beard remains symbolically tied to patriarchal structures. Recent publications increasingly unsettle this marker of masculinity, for instance through beards on queer (Stuart 2021) or female characters (Bernard 2024). Such representations enter the tension between denaturalization and reidealization described by Judith Butler (2011: 85): they must remain legible as deviation and thereby risk stabilizing the very norm they call into question.

25.11.2026

Iris Schäfer (Goethe-Universität Frankfurt): „Und es wird ein wundervoller Wald!“ – Transdisziplinäre Perspektiven auf das erzählte und ins Bild gesetzte Kinderhaar als Habitat im internationalen Bilderbuch

Vortrag in deutscher Sprache

Abstract:

In einigen zeitgenössischen Bilderbüchern aus Italien, Japan, Deutschland und Spanien wird das medial inszenierte Kinderhaar mit einer Waldmetaphorik verknüpft. Rekurriert wird so auf die kulturhistorische Nähe von Pflanzen- und Menschen- bzw. Baum- und Haarsemantiken, auf die etwa in der Deutschen Grammatik der Brüder Grimm hingewiesen wird. Eine weitere Gemeinsamkeit dieser Darstellungen besteht in der Semantisierung des kindlichen Haupthaares als Habitat, da diese haarigen Wälder als Lebensraum für allerlei Waldtiere – vorzugsweise Vögel – fungieren. Die geschilderte parasitäre Symbiose mit dem kindlichen Körperraum ist in surrealen Sphären verortet und erfüllt überwiegend eine Kompensationsstrategie, die von erwachsenen Kindheitsidealen zeugt. Dieser Spielart erzählter und ins Bild gesetzter haariger Habitate werde ich mich aus komparatistischer, diskursanalytischer und raumtheoretischer Perspektive annähern.

CV:

PD Dr. Iris Schäfer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Forschungsschwerpunkte: transdisziplinäre Analysen erzählter und ins Bild gesetzter Krankheiten, Träume, Mode und Haare in Kinder- und Jugendmedien. Publikations- und Vortragsliste unter: https://www.fb10.uni-frankfurt.de/55253049/Dr__Iris_Sch%C3%A4fer

02.12.2026

Alexandra Karentzos (Technische Universität Darmstadt): Unruly Hair. Beauty Practices Brushed Against the Grain

Vortrag in deutscher Sprache

Abstract:

Haare sind eigenwillig, störrisch, widerspenstig, lassen sich nicht so leicht zähmen und bändigen. Sie wachsen unaufhörlich und müssen gewaschen, gekämmt, geschnitten werden. So ist das Haar eng mit gesellschaftlichen Normierungen und Zurichtungen gerade auch des weiblichen Körpers verknüpft. Es ist Teil des alltäglichen Schönheitshandelns, also jener Praktiken, durch die der Körper in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Schönheitsidealen gestaltet und inszeniert wird. Insofern liegt wiederum im Haar ein Potenzial der Nichtanpassung, des Widerstands und der Nichtbeherrschbarkeit.

Insbesondere seit den 1970er Jahren ist (Körper-)Haar zunehmend zum Gegenstand einer kritischen Auseinandersetzung mit Machtstrukturen, kolonialem Erbe und normativen Schönheitsidealen geworden. Vor allem in feministischen und postkolonialen Kontexten fungiert Haar als widerständiges Medium, durch das marginalisierte Subjekte hegemoniale Diskurse herausfordern. Haare werden zu einem ästhetischen und zugleich politischen Zeichen, durch das westlich geprägte Schönheitsnormen problematisiert und andere Identitäten, Zugehörigkeiten und Köperlichkeiten sichtbar gemacht werden.

Der Vortrag untersucht, wie (Körper-)Haare als künstlerische Praxis „westliche“ Schönheitskonzepte dezentrieren und als Symbol für Empowerment und Selbstermächtigung dienen. Dies wird anhand von Kinderbüchern und deren Illustrationen untersucht – darunter das Buch „Happy to Be Nappy“ von bell hooks und Chris Raschka. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie visuelle Erzählungen für Kinder koloniale Geschichten thematisieren, Vielfalt greifbar machen und marginalisierten Subjekten Handlungsmacht verleihen.

CV:

Alexandra Karentzos, Dr. phil., ist Kunst- und Kulturwissenschaftlerin und Professorin für Mode und Ästhetik an der Technischen Universität Darmstadt. Zuvor war sie Juniorprofessorin für Kunstgeschichte an der Universität Trier und wissenschaftliche Assistentin bei den Staatlichen Museen zu Berlin (Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart, Berlin und Alte Nationalgalerie). Sie war Fellow am Dartmouth College, Hanover/USA und am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, Gastwissenschaftlerin am Institut für Kunstgeschichte an der Universidade Federal de São Paulo/Brasilien sowie zuletzt Visiting Scholar an der University of Cincinnati. Ihre Forschungsinteressen umfassen die Bereiche Kunst, visuelle Kultur und Mode vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, mit einem besonderen Schwerpunkt auf Transkulturalität, Globalisierung, Migration und Geschlecht. Für mehr Informationen s. https://www.mode.tu-darmstadt.de/modeaesthetik/team_ma/alexandrakarentzos/cv.de.jsp

09.12.2026

Martina Wernli (Humboldt Universität Berlin): Perücken mit literarischem Eigenleben. Zu Haar und Genre

PER ZOOM

Vortrag in deutscher Sprache

16.12.2026

Leila Kelley (Technische Universität Darmstadt): Just Hair? Representation and Awareness of Black Hair in Series

Vortrag in englischer Sprache

Abstract:

Imagine you are watching a series on a streaming platform and entering the inner world of a 16-year-old character. The character looks at herself in the mirror. One word comes to mind: “unruly.” She is unsure what it means. She knows that her father uses the term “Afro” and that she should wear her hair with pride. She likes wearing it loose and the way it turns toward the sun. Yet, people touch her hair without asking or refer to it as “wool.” She reaches for a hair tie – the scene ends. Whether she ties her hair back or keeps it loose remains unresolved. This exemplary hair story points to the ambivalent meanings of Black hair and the social attributions associated with it. For young people, fictional characters can serve as role models and style icons. The representation of Black hair in fictional television formats can therefore be relevant to processes of adolescent identity work and self-empowerment. Whether braids, weaves, locs, or Afros, hairstyles and the discourses surrounding them convey messages about identity, belonging, and social recognition. Alongside this, they can create spaces in which young people question established beauty standards and develop their own forms of agency and self-empowerment. 

The discrimination against Black hair has deep historical roots and is closely intertwined with racist structures of power. In particular, the transatlantic slave trade and European colonization contributed to the establishment of norms in which Black hair was devalued and measured against Western beauty ideals1. Black hair is therefore far more than a matter of individual aesthetics: it has a political and social dimension and makes existing norms, stereotypes, and power structures visible. At the same time, positive representations of Black hair can contribute to the visibility, recognition, and self-empowerment of Black youth2.

Building on this, the presentation examines how Black hair is represented in children’s and youth television series and to what extent such representations can raise awareness of the cultural and social meanings of Black hair and the discrimination associated with it. Furthermore, it explores how these portrayals may shape young people’s identity work and contribute to processes of self-empowerment. To explore these questions, selected children’s and youth series are analyzed regarding their representations of Black hair and discussed in the context of current discourses. Finally, the role of Netflix as an increasingly algorithm-driven platform is critically examined, with particular attention to how platform logics and media visibility influence the representation, perception, and broader social relevance of Black hair. 

1 Ellington, Tameka N., and Annette Lynch. “Don’t Need a Trip to the Beauty Shop: Depictions of AfroTextured Hair in Children’s Media.” In Black Hair in a White World, edited by Tameka N. Ellington, 39 –
2 ibid.

CV:

Leila Kelley ist Doktorandin an der Technischen Universität Darmstadt am Arbeitsbereich Mode und Ästhetik. In ihrem Dissertationsprojekt Streaming the Black Female Body: Körperpolitik im Kontext von Serienkonsum und Repräsentation analysiert sie aus einer Schwarzen feministischen, diskurstheoretischen und medienpädagogischen Perspektive die Repräsentation Schwarzer Frauen in Netflix-Serien. Zuvor analysierte sie in ihrer Masterarbeit im Studienfach Bildungswissenschaften die Repräsentation von Black Hair in Serien. Sie ist Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.

13.01.2027

Künstlerinnengespräch: Ngozi Schommers (Künstlerin, Bremen) und Kea Wienand (Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, Universität Oldenburg)

Gespräch in deutscher Sprache

Abstract:

In der künstlerischen Praxis von Ngozi Schommers spielen Haare eine bedeutende Rolle. In unterschiedlichen Arbeiten – darunter Zeichnungen, Gemälde, Cut-outs und Installationen – setzt sie sich mit den sinnlichen Eigenschaften dieses Materials, mit seinen kulturellen Konnotationen und historischen Frisuren auseinander. Die Kontinuitäten des europäischen Kolonialismus und rassistische Zuschreibungen an Afro-Haare sind dabei unweigerlich präsent. Im Gespräch zwischen der Künstlerin Ngozi Schommers und der Kunst-/Kulturwissenschaftlerin Kea Wienand wird es darum gehen, wie Schommers in ihrer Kunst eigene Erfahrungen verhandelt und abwertenden Stereotypisierungen die vielfältigen Traditionen weiblicher Haarkunst, unter anderem die ihres Herkunftslandes Nigeria, entgegensetzt. Durch die Ausführungen der Künstlerin über die Geschichten weiblicher Kreativität und Fürsorge, auf denen ihre Kunst aufbaut, wird deutlich, inwiefern diese nicht nur ästhetisch reizvoll, sondern auch im dekolonialen und feministischen Sinne widerständig ist.

CV:

Ngozi Ajah Schommers, *1974 Enugu, Nigeria. Lebt und arbeitet in Bremen. Studium der Bildenden Kunst an der HFBK Hamburg bei Professor Martin Boyce und Rajkamal Kahlon mit Residenz Stipendium an Goldsmiths Universität London. Bildende Kunst Malerei Yaba College of Technology Lagos, Nigeria. Ausstellungen und beteiligen u.a.: Impuls Paula Große Kunstschau, Worpswede; Rhizomatic Portals: Ways of Knowing 18. Textil Triennale, Lódz, Polen (G); So wie wir sind Weserburg Museum Bremen (G); Le Sel Noir II (Perspectives of Black Contemporary Art); Städtische Galerie Villingen – Schwenningen und Städtische Galerie Bremen (G); Fäden schaffen Welt, Frauenmuseum Wiesbaden (G); Mis(s)treated: mehr als deine Muse, Kunsthalle Bremen (G); I'm sorry, i can't help you Deutscher Künstlerbund, Berlin (S) Paula Modersohn Becker Preis Ausstellung, Barkenhoff, Worpswede (S); Made in Germany? Art and Identity in a Global Nation. Busch-Reisinger Museum/ Harvard Art Museums Boston, USA(G); The Narratives of Black Hair Galerie, Magin-A, Paris, France (G); midnight blue, 14a Gallery, Hamburg (S); TEXTURES, Kent State University Museum Kent, Ohio, USA (G); the way we mask II, Gerhard-Marcks-Haus Bremen, Germany(S) und National Museum, Onikan Lagos, Nigeria (S). Preise u.a.: HAP Grieshaber Preis 2024, Paula Modersohn-Becker, Kunstpreis (Sonderpreis) Worpswede 2024

CV:

Kea Wienand, Dr., Kunst-/Kulturwissenschaftlerin, Dozentin am Institut für Kunst und visuelle Kultur der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Lehraufträge und Gastprofessuren an verschiedenen Universitäten (Konstanz, Wien). Sie lehrt und forscht zu Kunst und visueller Kultur des 19. bis 21. Jahrhundert, zur deutschen Kolonialgeschichte, Künstlermythen und transkulturellen Erinnerungskulturen. Für mehr Informationen s. https://uol.de/kunst/personen/personenseiten/wissenschaftliche-mitarbeiterinnen/dr-kea-wienand

20.01.2027

Sarah-Maria Schober (Universität Luzern): Gelockt, ungebändigt, anders? Junges und altes Haar, Perücken und Race Making in der späteren Frühen Neuzeit

Vortrag in deutscher Sprache

Abstract:

Der Vortrag beleuchtet die zum Teil auch auf die Kinder- und Jugendmode ausgreifende Perückenmode des späten 17. und 18. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der kolonialen Expansion Europas und den sich verschärfenden Rassentheorien der Zeit. Menschliches Haar, dessen Farbe, aber insbesondere auch als unbändig beschriebene Haartexturen, stellten einen zentralen Aspekt frühneuzeitlicher Differenzstrategien dar. Dies galt zunehmend insbesondere im Kontext der Rassifizierung schwarzer Menschen, ein Prozess, der ältere Verständnisse “krausen” Haares in Europa und im kolonialen Raum weiter anreicherte. Texte, Bilder und Objekte entwarfen Vorstellungen von rassifiziertem Haar, zugleich aber auch von jungen und alten Haarstrukturen, von Race sowie von Kindheit und Seniorität. Inwieweit fanden diese Prozesse in den Köpfen, aber auch auf den Köpfen von jüngeren und älteren Menschen statt? Lassen sich also konkrete Auswirkungen auf den Umgang mit Haar aufzeigen – und lässt sich darüber allenfalls der Perückenhype der Zeit als ein Medium der Aushandlung von Haardifferenzen neu entdecken?

CV:

Sarah-Maria Schober ist Assistenzprofessorin für Frühe Neuzeit an der Universität Luzern (ab Februar 2027 Universität Bern) und leitet seit September 2025 das SNF Starting Grant Projekt «Matter of Distinction: Early Modern Hair, Race, Trade and Multispecies History, 1650–1820». Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte von Race und Human Remains, Wissens- und Medizingeschichte, Materielle Kultur, Konsum, Kommodifizierung und globale Ressourcen, Geruchs- und Emotionsgeschichte (insbesondere Ekel) sowie die Human-Animal und Multispecies Geschichte.

27.01.2027

Kiera Vaclavik (Queen Mary University of London): The Messy Mystery of Boys’ Hair

Vortrag in englischer Sprache

Abstract:

From the Little Prince and Tintin to Charlie Brown, Harry Potter and the Wimpy Kid, closely cropped hair has become the go-to for boy heroes. But it wasn’t always thus. There was of course Struwwelpeter (1845), whose iconicity has rather undermined any intended deterrent effect against the hirsute. Later, luxuriant locks were a key feature of Burnett’s Little Lord Fauntleroy (1885) across media. Burroughs’ much less urbane Tarzan of the Apes (1912) also wears his black hair long, a fringe – cut with his hunting knife – keeping it out of his eyes. Drawing on scholarship from fashion, age, queer studies, and the health humanities, this lecture will examine what links (and divides) this unlikely trio of longhaired boys and how ideologies related to nostalgia, exoticism and combat shape their presentation. We will seek to understand why, in children’s literature and media, abundance has remained so rare, even in periods where fashion has favoured longer hair for boys and men alike.

CV:

Kiera Vaclavik is Professor of Children’s Literature and Childhood Culture at Queen Mary University of London and directs the Centre for Childhood Cultures. Her work brings children’s literature studies into dialogue with fields including classics and costume history, and regularly involves collaboration with high-profile organisations across the creative and cultural industries including the V&A, Liberty and most recently the London Symphony Orchestra. She is the author of Fashioning Alice: The Career of Lewis Carroll’s Icon, 1860-1901 (Bloomsbury Academic, 2019) and is currently working on monographs on The Little Prince and on (hair) ribbon.

03.02.2027

Frauke Pauwels (Universiteit Antwerpen): ‘My mother is a porcupine!’ Unruly hair, unruly mothers?

Vortrag in englischer Sprache

Abstract:

Numerous picturebooks depict children who do not want to wash, comb, or cut their hair. For many mothers, not being able to wash or comb their hair when they would like to do so is a symptom of the ambivalence and temporality of mothering and motherhood. In many children's stories, hair care metonymically stands for hygiene and moral goodness, or serves as a form of punishment or reward within intimate relationships, such as that between mother and child. More broadly, cultural expressions regularly use hair as a metaphor for power, while the loss of hair symbolizes submission. Yet, apart from Andersen's fairy tale The Story of a Mother and the Greenlandic tale of the Mother of the Sea, mothers' hair seems to be largely absent. In contrast, some recent picturebooks depict mothers' hair as a site of controversy. How might such portrayals contribute to more varied representations of motherhood and mothering?

Starting with Secreto de familia (Isol, 2003), I will be combing through different historical periods, genres, and cultural contexts to discuss the various ways in which children's picturebooks speak to mothers through depictions of hair. Combining close reading and visual analysis of a small corpus with an examination of reception, I will explore how picturebooks are plaiting motherhood through their images of hair.

CV:

Frauke Pauwels ist Postdoktorandin und Dozentin an der Universität Antwerpen in Belgien. Ihre Forschungsinteressen reichen von Altersforschung bis hin zur Darstellung von Mutterschaft, Wissenschaftlern und Technologen, stets im Zusammenhang mit Kinderliteratur – sowohl historischer als auch zeitgenössischer, fiktionaler und nicht-fiktionaler Art. Gemeinsam mit Irena Barbara Kalla hat sie den Band „Het Nederlandstalige kinderboek: grenzeloos divers“ herausgegeben. Derzeit ist sie Jurymitglied des „Woutertje Pieterse Prijs“, eines der renommiertesten niederländischen Kinderliteraturpreise. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitet sie bei „Flanders Literature“ als Koordinatorin eines Projekts zur Leseförderung und Literaturvermittlung.

10.02.2027

Abschlussdiskussion und Roundtable zu Comic und Manga
Moderation: Alexandra Karentzos und Iris Schäfer

Die Ringvorlesung ist Teil der Strategischen Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU) und wird vom RMU-Initiativfonds Lehre gefördert.

Im Sommer 2027 wird zu dem Thema auch eine Ausstellung im Struwwelpetermuseum in Frankfurt zu sehen sein.