Laufendes Promotionsprojekt

Öffnung als Prozess. Diversifizierung von Kultureinrichtungen aus maginalisierten Perspektiven

Machtkritik am Kulturbetrieb wird nicht seit heute ausgeübt , ihre praktische Umsetzung in der Arbeit der Kulturinstitutionen erfolgte jedoch erst in den letzten Jahren zunehmend durch konkrete Förderinstrumente, Maßnahmen und Projekte. Häufig werden diese Prozesse unter den Begriffen der „Öffnung“ zusammengefasst – mit der zentralen Aufgabe, die Kulturinstitutionen oder „den“ Kulturbetrieb in Hinblick auf die diverse (Stadt-)gesellschaft zu öffnen . Diese Öffnung wird häufig mit Diversifizierung verknüpft, aber nicht unbedingt gleichgesetzt. Beide Begriffe haben aber das Ziel, Zugangsbarrieren und Ausschlüsse abzubauen und in der Konsequenz die unterschiedlichen und vor allem die marginalisierten Perspektiven auf allen institutionellen Ebenen zu repräsentieren. Die Öffnung oder Diversifizierung können Debatten, Rahmenbedingungen, Forderungen, spezifische Maßnahmen oder sehr konkrete Projekte sein. Ein Konsens ist dabei allerdings, dass diese Prozesse nicht die gewünschten strukturellen Veränderungen gebracht haben. Der Blick wird dabei vor allem auf die zu öffnenden Kultureinrichtungen gerichtet, wobei danach gefragt wird, was funktioniert oder vor allem: warum gelingt es nicht, den Kulturbetrieb zu diversifizieren.

In der vorliegenden Untersuchung geht es dabei weniger darum, wie diese Prozesse erfolgreich sein können – und beispielweise „mehr Diversität“ erreicht werden kann. Vielmehr wird die konkrete Umsetzung dieser Prozesse erforscht und damit auch der Blick auch auf diejenigen gerichtet, die dabei häufig unsichtbar bleiben – die „Öffnenden“ oder die „diverse Stadtgesellschaft“. Sie bleiben häufig in ihrer Rolle als Zielgruppe, als Adressat*innen, Teilnehmende auf Bildern oder in Videodokumentationen von Projekten verhaftet.

Die Untersuchung wird anhand von umfassenden ethnographischen Methoden durchgeführt: von qualitativen Interviews, teilnehmenden Beobachtungen bis hin zu Materialanalysen. Das Ziel ist, die Perspektiven, Positionierungen, Kämpfe der unterschiedlichen Beteiligten sichtbar zu machen und ferner zu untersuchen, wie und inwieweit in einem solchen Öffnungsprozess das Verständnis von Kulturinstitutionen (neu) ausgehandelt wird.