Arbeitsbereich Mode und Ästhetik: Miriam Oesterreich

Miriam Oesterreich M.A.

Miriam Österreich

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Studienberatung B.ed. Körperpflege

Sprechzeiten (SS 2018)

Montags 11:00 – 12:00

Kurzvita:

Miriam Oesterreich hat im März 2015 ihre Promotion zu Erdteilallegorien und ‚Bananenmädchen‘ – Inszenierungen ‚exotischer‘ Körper in früher Bildreklame, 1880-1914 (betreut von Prof. Dr. Werner Busch und Prof. Dr. Karin Gludovatz, FU Berlin) mit summa cum laude abgeschlossen. Sie studierte an den Universitäten in Heidelberg, Havanna (Kuba), Valencia (Spanien) und an der Freien Universität Berlin Kunstgeschichte, Romanistik und Altamerikanistik und schrieb ihre Magisterarbeit zu Indigenistischen Aspekten im Werk Raúl Anguianos – Die Reise nach Bonampak 1949 (2008). Sie war Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Exzellenzinitiative Transcultural Studies der Universität Heidelberg (2009-2011) und absolvierte ein wissenschaftliches Volontariat am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen a.Rh. (2011/12), in dessen Verlauf sie mehrere Ausstellungen konzipierte und kuratierte. Im Frühjahr 2011 organisierte und leitete sie die interdisziplinäre Konferenz Körper-Ästhetiken. Der (allegorische) Körper als ästhetisches Prinzip – (gender- )theoretische Perspektiven an der Universität Heidelberg und edierte in der Folge einen Tagungsband. Seit dem Frühjahr 2013 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Arbeitsbereich Mode und Ästhetik (Lehrstuhl Prof. Dr. Alexandra Karentzos) an der TU Darmstadt. Im Juli 2016 war sie Fellow an der Transregionalen Akademie Modernisms – Concepts, Contexts, and Circulation in São Paulo/Brasilien. Für ihr begonnenes Habilitationsprojekt zu Indigenismus und den internationalen Verflechtungen mexikanischer Avantgarden (1920-50) erhielt sie jüngst den Fachbereichsforschungspreis der TU Darmstadt.

Forschungsinteressen:

Lateinamerikanische Kunstgeschichte, Indigenismus und Modernekonzeptionen, transkulturelle Transferprozesse künstlerischer Praktiken, Kunst im 19. Jahrhundert, Verflechtungen von Kunst und Populärkultur

Habilitationsprojekt: Die ‘folkloristische Moderne‘ – Indigenismen in Mexiko zwischen national-identitärer Festschreibung und transregionalen Verflechtungen (1920-50)

Nickolas Muray: Frida on a white bench, New York 1939, Nickolas Muray Photo Archives.
Nickolas Muray: Frida on a white bench, New York 1939, Nickolas Muray Photo Archives.

Innerhalb der Künstlermilieus der mexikanischen Avantgarde, zu der auch eine Reihe in Mexiko arbeitender ausländischer Künstler und Künstlerinnen zählen – galt das Mexikanisch-Indigene als unverbrauchte Ressource zur Etablierung eines individuellen virtuosen Status, als künstlerisches Alleinstellungsmerkmal, genauso wie zur Inszenierung eines modernistischen Diskurses über die nationalen Grenzen hinweg. Der mexikanische Indigenismus wird dabei in der Forschung stets statisch als nationales Phänomen vorgestellt, der im Sinne einer „belated modernness“ avantgardistische, auch primitivistische, Praktiken künstlerischen Schaffens in Europa aufgriff und durch das ‚eigene‘ indigene Element zu einer spezifisch mexikanischen Kunstbewegung weiterentwickelte.

Dieser Begriff der Moderne, der mit Ursprungsmythen und Authentizitäts- und Meisterdiskursen einhergeht, soll in meinem Forschungsprojekt kritisch hinterfragt und für die mexikanische Avantgarde aufgearbeitet werden. Der mexikanische Indigenismus mag sich als nationale Kunst gerieren, die Arbeit soll jedoch aufzeigen, dass er sich allenthalben in komplexen und wechselseitigen Beziehungen mit einer international agierenden Avantgarde-Bewegung befindet.

Josef Albers, Untitled (Navaho-Teppiche), 1938, Gelatin silver print mounted on cardboard, Josef and Anni Albers Foundation.
Josef Albers, Untitled (Navaho-Teppiche), 1938, Gelatin silver print mounted on cardboard, Josef and Anni Albers Foundation.

In einer Zeit politischer, gesellschaftlicher und künstlerischer Umbrüche sowohl in Latein- wie in Nordamerika und Europa zirkulierten sowohl künstlerische Objekte (Picasso schenkte Frida Kahlo Ohrringe!) als auch Künstler und Künstlerinnen selbst (Rivera in Paris, Breton in Mexiko) – auf Suche nach Inspiration, als Exilanten – transregional. Sowohl Ästhetiken (die Gestaltung modernistischer Zeitschriften) wie Konzepte (der Indigenismus) befanden sich in einem komplexen wechselseitigen – transkulturellen, -regionalen, -disziplinären – Austausch. Das modernistische Mexiko erscheint hier als Schnittstelle vielfältiger Moderne-Diskurse, deren migratorisches Potential Grundlage auch einer Neuverhandlung von etablierten Terminologien zur ‚Moderne‘ darstellt. Die Verflochtenheit der künstlerischen Avantgarde-Szenen soll ausgehend von einer Analyse der mexikanischen Situation Schlaglichter vor allem auf panamerikanistische Bestrebungen mit den Zentren Mexiko-Stadt, Lima und São Paulo werfen, auf die US-amerikanische Situation mit New York als künstlerischem Zentrum, auf das Paris der ‚Année Folles‘ und das expressionistische Deutschland.

Tina Modotti: Mujer de Tehuantepec (Tehuana con xicaplextele), ca. 1929, plata sobre gelatina, Col. Fototeca del INAH, Pachuca.
Tina Modotti: Mujer de Tehuantepec (Tehuana con xicaplextele), ca. 1929, plata sobre gelatina, Col. Fototeca del INAH, Pachuca.

Es sollen vielfältige künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten unter dem bislang zumeist auf Malerei beschränkten Begriff des Indigenismus gefasst und analysiert werden, so neben der Malerei, Grafik und Fotografie auch Mode, künstlerische Selbstinszenierung und Performance, Architektur und Ausstellung, Buch- und Zeitschriftengestaltung. In Case Studies ausgewählter Ausgangsbeispiele – z.B. den modischen Inszenierungen Frida Kahlos, den wechselseitigen Referenzen avantgardistischer Zeitschriften aufeinander, dem Sammeln und Ausstellen prähispanischer Artefakte, der Inszenierung von Folklore – sollen die Verflechtungen transregional agierender Avantgarden detailliert aufgearbeitet werden und damit das Paradigma national-identitärer Kunst in Mexiko zugunsten eines praktizierten künstlerischen Panamerikanismus und Kosmopolitanismus aufgezeigt werden.

The ‘folkloristic modernity‘ – Mexican Indigenism between national-identitarian Definitions and Transregional Entanglements (1920-50)